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tierische wohngemeinschaft

New Island, Falkland Islands

2015

Fotos

Lisa Ehrensperger, Roland Frei

21.01.2015

Aus dem Reisetagebuch

Falkland New Island, Devils Nose

Erste Anlandungen in Falkland Island oder den Malvinen, Islas Malvinas. Wir ankern vor New Island, in einer kleinen Bucht. Der Weg selbst, mit einem adretten Rasen belegt, windet sich über eine kleine Kuppe Richtung Steilklippen. Hier brütet eine der wichtigsten Kolonien von Felsenpinguinen zusammen mit Schwarzbrauenalbatrossen und Blauaugenkormoranen. Die Sonne brennt, aber es windet auch heftig. Gut für uns, denn die Albatrosse benötigen den Wind als Hilfsmittel, um starten zu können. Ein helles Schnattern aus tausenden heisseren Kehlen kündigt den Vogelzirkus bereits von Weitem an. Die Kolonie brütet in einer Art felsigem V-Tal, das von hohem Tossackgras landseitig gut geschützt, dank der Steilklippe ein idealer Startplatz für die Albatrosse ist und den Felsenpinguinen den notwendigen Schutz bietet. Darum heissen sie ja Felsenpinguine, weil sie hoch oben auf steilen Felswänden brüten und dort vor den meisten natürlichen Feinden sicher sind (Quatsch!). Das Ganze ist eine Art Vogel WG. Gelebte Integration. Die Pinguine kommen nur hierher, um sich fortzupflanzen. Den Rest des Jahres verbringen sie im Wasser, schwimmend, tauchend und fischend. Vögel besitzen die Eigenschaft, eine Gehirnhälfte kurz abschalten zu können, im Wasser, im Fluge, wo auch immer. Sie machen so einen erholsamen Sekundenschlaf. Sobald die Pinguine paarungsreif sind, kehren sie an diesen, ihren Brutplatz zurück. Und es ist schon einmalig, sehen zu können, wie sie aus der Gischt des Ozean springen, um auf einem nassen, rutschigen Felsen zu landen und dann wackelnd die steilen Felsen erklimmen. Wohl ist ihnen aber hier nicht, dünkt mich, sie tratschen und keifen, dass es eine Freude ist. Und sie sind ausserordentlich neugierig. Mit schrägem, fragendem Oberkörper kommen sie uns entgegen, sehen uns frech an, ihr Haupt mit den gelben Haarstränen in den Wind gedreht. Demgegenüber sind ihre WG Genossen, die Schwarzbrauenalbatrosse, sanftmütige Giganten. Albatrosse sind lebenslang monogam, nur wenn der jeweilige Partner stirbt, sucht sich der Zurückgelassene einen anderen Partner. Alle zwei Jahre haben die beiden dann ein Ei, also ca. 30  Kinder insgesamt. Ihre Eier legen sie in eine Art erdigen Nachthafen, der aus Erde und Kot besteht und deshalb unaufhörlich wächst. In oder auf diesem sitzt dann das graue Wollknäuel, wird von den Eltern liebevoll umgsorgt. Doch wehe, es verlässt seine Bleibe, fällt aus dem Nest. Dann haben die Eltern nichts mehr mit diesem Wesen zu tun. Deshalb gilt: 'My home is my castle.' Jetzt sind die Jungen bereits geschlüpft und wenige Wochen alt, krächzen mit weit geöffnetem Schnabel ein Mitleid erregendes Geschrei, Nahrung erbettelnd. Albatrosskinder sind immer hungrig nach dem vorverdauten und geölten Fischtran in den Mägen der Eltern. Diese sitzen majestätisch neben der Burg des Kleinen, würdigen uns Eindringlinge keines Blickes, schauen durch uns hindurch. Wenigstens tun sie so, wahrscheinlich haben sie uns genau im Auge. Sind beide Tiere anwesend, wird geflirtet, dass die Schwarte kracht. Hier ist er wieder der Tango! Eindeutig. Da wird gegenseitig das Gefieder geputzt, wird geschnabbelt und geschmust, dass es eine Freude ist, zuzuschauen. Ab und zu geht einer der Partner arbeiten oder kehrt von dieser zurück. Dann schwebt ein langer dunkler Schatten wenige Zentimeter über den Kopf des Ornitologen, fährt der Riesenvogel das Fahrgestell aus und landet plump. Seine Füsse ähneln unbeholfenen Schwimmflossen. Gut auf dem Wasser, schlecht am Boden. So elegante Flieger diese Vögel sind, so tolpatschige Wanderer sind sie. Und fehlt der Wind, müssen sie latschen, sie tun dies mit sichtlichem Missvergnügen, den Kopf gesenkt. Tschau, ich gehe den Wind suchen.

 

Die Wohngemeinschaft lebt bunt durchmischt miteinander in einer solchen Kolonie. Und eigentlich kommen sie sich nicht häufig in die Quere. Albatrosse jagen knapp über dem Wasser, Pinguine tauchen nach ihrem Fressen teilweise über 30 Meter tief. Albatrosse fliegen, Pinguine schwimmen. Albatrosse machen ein festes Nest, eine veritable Burg, einen Hochsitz. Felsenpinguine basteln sich ein Nest aus allem, was gerade zu haben ist. Friede, Freude, Eierkuchen, wären da nicht die Skuas, die Raubmöven und die Kormorane. Kormorane mit ihren langen schmalen Gesichtern, hier Blauaugenkormorane, nervöse Gispel. Skuas sind Diebe, klauen Nestwerk und wenn sich die Gelegenheit ergibt auch Eier oder sogar ein unvorsichtiges Junges. Passiert dies, setzt ein fürchterliches Klagegeschrei ein, die Felsenpinguine wehren sich, mit ihren zwei Stummelflügeln eifrig winkend, schnappen mit ihren Schnäbeln wild um sich. Stark in der Gruppe. Auch Felsenpinguine, die englisch Rockhopper heissen, weil sie eben die Felsen hinaufspringen, sind monogam. Auch hier sind die Ehepaare am turteln oder putzen sich gegenseitig das Gefieder. Dabei machen sie teilweise akrobatische Verrenkungen. 

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