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2016

Fotos

Lisa Ehrensperger, Roland Frei

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Zu Besuch in einer ehemaligen Walfangstation

Wie das Schiff am Nachmittag desselben Tages in die den Hafen schützende Bucht einläuft, regnet es wieder, die Wolken drücken auf die Berge, als wären diese ein nasser Schwamm, das Meer ist spiegelglatt, einzelne Eisschollen irren schwimmend umher. Grytviken begrüsst mich unwirklich schemenhaft. Im Gegensatz zu Stromness, welches in der Ebene eines Flussdeltas, vor hohen schwarzen Bergen  liegt, kuschelt sich Grytviken am Fusse von schützenden grünen Bergen. Von der ehemaligen Station, dem Dorf, sind praktisch nur noch die eisernen Verarbeitungsanlagen, die riesigen Trantanks vorhanden. Die ehemaligen Wohnhäuser aus Holz sind längst gegangen. Es leben noch wenige, entusiastische Briten hier, leiten das örtliche Museum, eine Post, oder arbeiten in der staatlichen Forschungsstation, die jedoch räumlich klar vom ehemaligen Ort getrennt einen halben Kilometer abseits steht. 2004 wurde Grytviken zum national britischen Projekt erklärt, der Asbest entfernt, die Anlage so restauriert, dass man sich jetzt gefahrlos  darin bewegen kann. Wird jedenfalls gesagt. Grytviken ist das tote Skelett der menschlichen Kultur, das wie zahlreiche tote Robben und Pinguine leblos auf dem Strand liegt. Aber im Gegensatz zu Stromness darf diese ehemalige Walstation frei begangen, drei Häuser können sogar besichtigt werden. Das Postamt, das Museum und die Kirche. Wohnen tun alle heutigen Einwohner in einem neuen Holzhaus skandinavischer Prägung. Trotzdem lebt Grytviken von seiner Geschichte, seiner Vergangenheit, dem Walfang. Da hat es drei Walschiffe, die auf den Strand gefahren worden sind, und jetzt, pittoresk vor sich hinrosten. Die Walharpune, oder ist es eine Kanone, steht immer noch auf dem Bug, sucht nach Walen. Doch hier bläst der Wal nicht mehr. Riesige Stahltanks warten darauf, gefüllt zu werden. Auf dem rostigen Untergrund steht, weiss aufgepinselt „cleared“, geputzt. und das jeweilige Datum. Gar nicht so lange her, denke ich mir. Und da musste schon einiges geputzt werden: In Grytviken allein sollen 54‘000 Wale geflenst, das heiss, ausgenommen worden sein. Weltweit ist das Fett von über 15 Millionen Walen zu Öl rafiniert worden. Geht man von einem Betrieb von 50 Jahren aus, und einer Saison von sechs Monaten, so wurde an jedem dieser 180 Tage 6 Wale verarbeitet. Also vielleicht 2 Stunden pro Wal. Aber so genau will man es gar nicht wissen.

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