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zu besuch bei den pfahlbauern

Inle Lake, Burma

2013

Fotos

Lisa Ehrensperger, Roland Frei

Inle lake oder was wenn das Wasser steigt?

Was wenn die Weltmeere zu steigen beginnen und das fruchtbare Siedlungsgebiet plötzlich unter Wasser liegt?

12.12.2013

Aus dem Reisetagebuch

Im Langboot über den Inle See. Das Wetter hat gedreht, die Sonne grillt uns bereits stark! Der See ist spiegelglatt, reflektiert zusätzlich. Vorbei an Nampang, fischenden Stehrudern, die Touristenbooten zum photografischen Frass vorgeworfen werden. Wie Walfische umkreisen die Boote ihr Opfer, eines der beliebtesten Photosujets Burmas. Vorbei an Seetang erntenden Bauern, die Erde für ihre schwimmenden Gärten sammeln. Die Pfahlbauer des Sees, die Inthas, legen schwimmende Gärten an, können diese also jederzeit verschieben. Am Horizont sticht ein hellbraunes Band in die Augen. Das homogene Grün der Wälder ist von Baggern arg malträtiert worden, schreiende Wunden, die von hellen Pflastern überklebt scheinen. Frau Shwe will an diesem Hügelzug Hotels bauen. Das grosse Geld lockt. Au weiha, das wird kaum gut kommen. Die Integrität der Landschaft, das höchste Gut jeder Gemeinschaft wird mit Füssen getreten. Die Dörfer der Inthas wirken noch immer vertraut, Pfahlbauten der burmesischen 'Zigeuner', die mit der Bergbevölkerung der Pa O im Clinch sind, sich auf deren Kosten auszubreiten versuchen. Deshalb haben die Pa O rebelliert, das Gebiet konnte lange Zeit nicht besucht werden. Heute hat sich die Lage beruhigt, das heisst, anstatt 5 Dollar, zahlt man neu 10 Dollar, damit ist der Besuch in die Grenzregion inbegriffen, nicht einmal der Checkpoint bei der Mawbe Brücke muss aufgesucht werden. Und auch die wunderbare Pa O Führerin, eine Dolmetscherin, Mediatorin im Falle eines Zwischenfalles, muss nicht mehr engagiert werden. Schade! Dieses Mal, es ist bereits mein vierter Besuch, erlebe ich die Dörfer und die Landschaft noch intensiver. Die Pfahlbauten unterschiedlicher Materialien, in Bambus geflochten, massiv in Teakholz gezimmert, beeindrucken mich erneut. Der Landschaftsraum scheint durch die Häuser hindurch zu fliessen, die Häuser scheinen schweben zu wollen, sie stehen im Wasser, fliegen aber im Universum. Teils sind es Zelte, offene Hütten, vor der Sonne, dem Regen schützende Schirme, teils introvertierte, massive schwebende Höhlen aus Teakholz. Der Aussenraum fliesst nicht nur um die Häuser herum, sondern auch unter diesen hindurch. Eine totale Verbundenheit mit der Natur. Die Klöster stehen einzeln oder im Verbund der Gemeinschaft und sind dank ihrer Grösse und der aufsteigenden Dachform leicht zu erkennen. Der Urtyp, wir sehen ihn in Samskar, ist eine Stupa, der Höhle für Buddha und davor ein auf Stützen ruhendes Zelt, ein schützender Unterstand für die Menschen. Wie in Japan, der Schatten unter dem Dach. Ewigkeit für die Götter, Vergänglichkeit für die Menschen. Eine klare Hierarchie. Gestern wie heute.

Ist dies die Antwort auf die auf uns zukommenden Probleme der steigenden Ozeane? Müssen wir wieder als Pfahlbauern leben lernen? Als schwimmende Nomaden. Gut, auf dem Inle See hat es keine Taifune, aber solche Shelters könnte man doch anlegen, für Notfälle. Ich habe das Gefühl, mich in einer zukünftigen, sehr modernen Lebensform zu bewegen.

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