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KINDERSPITAL ZÜRICH

Planerauswahlverfahren mit Präqualifikation

Neubau Kinderspital, Zürich

2011

Bauherr

Kinderspital Zürich - Eleonorenstiftung

 

Was ist ein Kinderspital?         

Retour à la nature. Zurück zur Natur. Keine billige Reaktion auf Fukushima, sondern die grundlegende Überzeugung, dass es in erster Linie die Natur ist, welche uns hilft, gesund zu bleiben, resp. es wieder zu werden. Die Heilkraft der Natur. Was gibt es schöneres als blühende Bäume, duftende Blumen, der jahreszeitliche Wechsel von Blühen und Vergehen. Die Vögel pfeiffen, der Osterhase wartet. Orientieren wir uns nicht gerade als noch junge Menschen in erster Linie an diesen natürlichen Vorbildern? Als etwas ältere Menschen müssen wir mühsam wieder lernen, uns an diesen natürlich gegebenen Wundern zu erfreuen. Als Kinder scheinen wir noch weniger von spekulativen Überlegungen unseres Geistes behindert. Wir können noch staunen. Eine kindliche Freude. Vorbehaltslos. Als naive Neugier tun wir diese Freude ab, um uns nicht über unsere Altersbehinderung schämen zu müssen.

Wäre es nicht schön, ein Spital bauen zu können, in welchem gerade diese kindliche Neugier, diese unvoreingenommene Freude erlebt werden kann. Ein Ort, wo wir staunen dürfen und erleben, dass wir Teil eines grösseren ganzen Rythmuses sind? Ein Ort der lustvoll sein will. Ein Ort aber auch, wo Werden und Vergehen zu einem alltäglichen Miteinander verschmelzen. Ein Spital für Kinder und Jugendliche  denken zu dürfen, schafft die Möglichkeit, darüber nachzudenken, ob Spitäler für Erwachsene so 'steril' sein müssen.

Wir träumen von einem Gebäude, in welchem unsere uns angeborene Neugier angeregt werden kann, in welchem Erlebniswelten uns staunen und vielleicht manchmal auch vergessen lassen. Sowohl als auch. Nicht entweder oder. Es geht kein Weg daran vorbei, dass dieses Ziel vor allem durch sorgfältig und liebevoll gestaltete Räume zu erreichen ist. Erlebnisreiche Raumfolgen mit einem hohen Identifikationspotential. Keine Verniedlichung, sondern jeden Menschen egal welchen Alters als vollwertig betrachtend. 

Diese Absicht steht nicht im Widerspruch zu einem ökonomischen und organisatorisch optimalen Ganzen. Im Gegenteil, sie ist Grundlage einer effektiv nachhaltigen Verhaltensweise.

Städtebauliches Konzept

Das neue Kinderspital soll nicht eine Form annehmen müssen, weil es gescheite Städteplaner so wollen. Es will aus sich selbst heraus entwickelt werden. Die Grundhaltung, aus welcher dies geschieht, sind Respekt und Demut. Garanten dafür, dass sich das neue Gebäude auch städtebaulich sorgfältig und rücksichtsvoll in das bestehende Ensemble einpasst. Aber. Es ist klar, mit dem Bau des Kinderspitals wird sich die städtebauliche Balance verändern. Es muss ein neues grösseres Ganzes gefunden werden.

Dieses neue grössere Ganze ist die Landschaft, der Zwischenraum zwischen den verschiedenen Spitalbauten. Dieser Landschaftsraum soll neu als grosser zusammenhängender Landschaftspark mit unterschiedlichen Charakteren gelesen werden: Burghölzliwald, Burghölzlihügel mit seinen Reben, Klinikgarten, Landschaftspark Kinderspital, Familiengartenareal, Balgristgarten, Garten Mathilde Escher Heim usw.

Im Gegensatz zum bestehenden Burghölzli Ensemble, welches als solides Mahnmal die Landschaft, den Ort dominiert, will das neue Gebäude für das Kinderspital in den Hintergrund rücken. Ein Gebäude, welches mit der Landschaft verschmilzt, ein Gebäude, in welchem die Landschaft durch das Gebäude hindurchzufliessen scheint. Deshalb steht das neue Gebäude auf dem Areal Süd von der Lenggstrasse als niedriges, dreigeschossiges Volumen etwas zurückversetzt und lässt so genügend Platz für einen Landschaftsraum zwischen der Uniklinik und dem neuen Kinderspital. Die Professorenvilla bleibt erhalten und wird als Märchenhaus umgenutzt. Der Neubau auf dem Areal Nord sucht zwar die Nähe zum Neubau auf dem Areal Süd, duckt sich jedoch massstäblich in die natürliche Senke des Geländes und belässt so den bestehenden Gebäuden die freie Aussicht . 

Zwar wächst die äussere Form des neuen Kinderspitals aus seiner inneren Logik, das Flechtwerk versucht jedoch trotzdem, volumetrisch auf seine Nachbarbauten zu reagieren und städtebauliche Bezüge aufzunehmen. Die Gebäude sollen jedoch in den Hintergrund treten. Die verschiedenen Charaktere des Landschaftsraumes sollen das Erscheinungsbild prägen.

 

 

Das Märchenhaus – ein Haus für Geschichten

Die alte Professorenvilla soll nicht abgerissen werden. Die Villa und der dazugehörige Garten liegt der Terrasse des neuen Restaurantes im Westen vorgelagert und wird zu einem eigenständigen Teil des neuen Parkes um das Kinderspital Süd. Das Haus soll als Märchenhaus umgenutzt werden. Ein Haus mit und für Geschichten und einem verwunschenen Garten. Der bestehende Baumbestand soll ausgelichtet, kann aber teilweise übernommen werden und garantiert dafür, dass bereits nach der Bauzeit grössere Bäume vor dem neuen Kinderspital stehen werden.

Architektonisches Konzept

Der Baum ist ein Blatt, das Blatt ist ein Baum. Die Stadt ist ein Haus, das Haus ist eine Stadt. (Aldo van Eyck)

Das neue Kinderspital ist ein Haus, das wie eine Stadt funktioniert. Es gibt Strassen,  es gibt Plätze, es gibt Höfe und es gibt Wohnungen. Es gibt Öffentlichkeit und es gibt Privatheit – und es ist eine Stadt im Grünen! Die Grundstruktur ist ein Flechtwerk, welches organisatorische Kreisläufe anbietet. Diese Kreisläufe orientieren sich um eine Reihe von ausgestanzten Innenhöfen. Diese Innenhöfe dienen zur unverwechselbaren Identifikation innerhalb des flächigen Gebäudes. Die Höfe sollen intensiv begrünt werden und einen unverwechselbaren Charakter annehmen (z.B. Bambushof, Birkenhof, Ahornhof etc.). Es scheint auch denkbar, dass einzelne Bereiche geschlossen werden, als Wintergärten funktionieren und so Teil des gesamtheitlichen Energiekonzeptes werden. In solchen Volieren ist es auch möglich, verschiedene Vögel frei fliegen zu lassen. Das Spital mutiert zum Zooerlebnis. Von der Bettenstation führen Terrassen in diese Höfe, so dass diese  Erlebniswelt teilweise (wo aus spitalhygienischen Überlegungen möglich) zugänglich gemacht werden kann. Dunkle sterile Korridore können weitgehend vermieden werden.

Das äussere Erscheinungsbild des neuen Kinderspitals ist zurückhaltend selbstverständlich. Das grosse Volumen erscheint als 3 - 4 geschossiges, horizontal geschichtetes Gebäude. Das Prinzip der Schichtung ermöglicht, das grosse Volumen massstäblich erscheinen zu lassen. Gleichzeitig kann auf jedem Geschoss eine Art Mikroklima geschaffen werden, der Teil des Nachhaltigkeitskonzeptes des Gebäudes ist z.B. ein begrünter Servicegang als Klimapuffer, Wetterschutz der Fassadenkonstruktion.

Durch dieses architektonisch konstruktive Konzept des Gebäudes wird es auch möglich, für die Fassaden Materialien wählen zu können, welche die haptische Neugier des Menschen wecken und die Vergänglichkeit des Daseins reflektieren. Das Haus lebt nicht um geputzt zu werden, sondern als ein Haus mit intelligenten Bewirtschaftungskonzepten, als lebenswerter Ort.

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