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Awaji Wassertempel

Awaji, Japan

2017

Architekt

Tadao Ando

Fotos

Lisa Ehrensperger, Roland Frei

Gerade bevor man über die Hangkante zu fallen droht, wird der Blick zurück auf ein rundes, zu schweben scheinendes Wasserbecken gelenkt. Das Ufo ist gelandet.

11.10.2017

Aus dem Reisetagebuch

 

Nach einigen Kirchen war dies der erste Bau Andos für eine buddhistische Sekte, den Shingon Shu, nur 10 Taximinuten von Yumebutei entfernt. Vorbei an den alten Holzgebäuden des Tempels, hinauf auf eine leichte Anhöhe, wo eine hohe Betonmauer den Weg verstellt, ein gekiester Weg führt ungelenk daran vorbei durch ein Loch in der Wand, auf der anderen Seite der Wand um eine zweite kreisförmig gebogene Wand. Gerade bevor man über die Hangkante zu fallen droht, wird der Blick zurück auf ein rundes, zu schweben scheinendes Wasserbecken gelenkt. Das Ufo ist gelandet. Hervorragendes Handwerk, scharfkantiger Beton, das Schweben des Beckens ist kompromisslos, eine reine Form, Anspielung auf die Bedeutung des Mandalas. Die Seerosen, warum Seerosen, Buddha entstieg dem Lotus... sind spärlich, kaum erkennbar. Ein Stahlgeländer weist den Weg hinunter in den Teich, eine einläufige gerade enge Treppe. Keine Türe, aber mystisches rötliches Licht, ein Tischchen, einige Postkarten. 'Konichiwa' aus einem hinteren Raum begrüsst uns eine aufgestellte ältere Frau, verkauft uns Eintrittskarten. Andächtige Stille. Kreisverkehr, enger Korridor, zwischen Sichtbeton und orange bemalten vertikaler Stülpschalung. Sehr stimmungsvoll. In das Innere des Kreises, des Mandalas, dem ein Quadrat eingeschrieben ist. Kreis und Quadrat! Traditionelles Kiwari Holzsystem, das Quadrat wird zum räumlichen Würfel, orange bemaltes Holz von hellem Gegenlicht natürlich belichtet. Tatamiboden. Zitate der traditionellen japanischen Architektur. Eine ruhige, andächtige Stimmung. Es braucht keine Worte, Kobo Daishi, der Gründer des Shingon Buddhismus sitzt in einer seitlichen Nische und lächelt. Worüber? Das Zentrum kann gegen hinten, der Kreis hat ein hinten, hinter dem Altar, gegen das Tal geöffnet werden, in ein Dreieck, das weder zu Kreis noch zu Quadrat passen will. Zurück beim Eingang, auf der anderen Seite der Treppe die WC Anlage. Merkwürdig. Eine Seite des Wasserbeckens ist gar nicht unterbaut, der Kreis ist reine Show, der Grundriss stimmt nicht mit der Geste überein. Das Wasser ist nicht spürbar. Wie Kengo Kuma ist auch Ando ein begnadeter Selbstvermarkter. Leider!

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