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alterswohnungen stein am rhein

Projektwettbewerb auf Einladung

Neubau Alterswohnungen Fridau, Stein am Rhein

Bauherr

Gemeinnützige Genossenschaft Alterswohnungen Stein am Rhein

 

Architekt

Frei & Ehrensperger Architekten, Zürich

Mitarbeit: Megumi Komura, Gian Spühler

Wettbewerb

2018

N

Das ortsbauliche Konzept

Ein Lattenzaun mit Zwischenraum hindurchzuschaun

Wir übernehmen das angedachte ortsbauliche Konzept mit zwei Punktkörpern. Wir glauben jedoch, dass nicht nur der Zwischenraum an sich für die ortsbauliche Setzung wichtig ist, sondern auch die Position innerhalb des Baufeldes, denn diese beeinflusst die Ausblickmöglichkeiten, auch der Nachbarbauten. So rücken wir die beiden Baukuben von der Strasse ab und setzten sie etwas mittiger auf das Baufeld. Dies garantiert den Nachbarn bessere Aussichtmöglichkeiten auf die Altstadt und den Rheinraum, ermöglicht es andererseits, die Umgebungsgestaltung um die Häuser herum zu denken. Die beiden Häuser stehen nicht direkt an der Rietstrasse.

 

Die beiden Baukörper sind analog aufgebaut, reagieren mit ihrer Kubatur aber gemäss ihrer jeweiligen Positionierung unterschiedlich und versuchen damit, mit ihrer Massstäblichkeit den jeweiligen Charakter der Nachbarschaft aufzunehmen. Eine der wunderbaren Eigenschaften des Ortes ist die Gleichwertigkeit aller Seiten: der Blick auf die Altstadt, der Blick auf den Rhein, der Blick in die Weite, der Blick auf die Rebberge und den Hohenklingen. Unsere beiden Gebäude haben deshalb keine Vorder- oder Rückseite, sondern äussern sich auf alle Seiten, bieten einen Rundblick in die vertraute Heimat.   

 

Der Blick auf den Schwarzplan zeigt, dass die Massstäblichkeit der beiden neuen Bauten, trotz ihrer Grösse absolut ortsverträglich ist. Die volumetrisch unterschiedliche Behandlung des obersten Geschosses, eine gemeinschaftliche Terrasse gegen den Hohenklingen bei einem, eine gemeinschaftliche Terrasse zum Rhein beim anderen Baukörper, unterstützt die Eingliederung und schafft eine wohltuende Individualität. 

 

Gemeinschaft und Individualität

Mit dem Bau von 28 Alterswohnungen kann mit maximal 45 bis 56 Bewohnerinnen gerechnet werden. Das Gefühl eines anonymen Wohnblockes soll vermieden werden. Wie? Das Ganze muss mehr sein als die Summe seiner Einzelteile. Individualität und Gemeinschaft sollen ausbalanciert werden. Man soll sich zurückziehen können, aber auch die Gemeinschaft finden, falls dies gewünscht ist. So werden beide Häuser über eine grosszügige Halle betreten, welche in ein natürlich belichtetes Treppenhaus übergeht. Das Treppenhaus ist kein dunkles Loch, sondern ein sorgfältig gestalteter Raum mit Tageslicht, ein gemeinschaftlicher Auftakt, mit einem überraschenden Blick hinaus auf den heimischen Hohenklingen. In den jeweiligen Eingangshallen sind die Briefkästen und - im Haus A - der gewünschte Besprechungsraum als Anlaufstelle situiert. In beiden Häusern kann eine gemeinschaftliche Dachterrasse mit Ausblick in die heimische Landschaft genutzt werden. Dieses Nutzungspotential erweitert die Erlebnisqualität der individuellen Wohnungen.

Wohnqualitäten

Sämtliche Wohnungen sind der SIA Norm 500 entsprechend projektiert, die Bäder sind grösser als diese Norm es erfordern würde. Dies ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Aber: Menschen wohnen nicht in Normen. Die Wohnqualität hängt stark von der Erlebnisqualität ab.  

 

Die Wohnungen sind so organisiert, dass möglichst jede Wohnung von der ortsspezifischen Qualität profitieren kann, eine grosse Erlebnisdichte angeboten werden kann. Durch das Ausfächern der Gebäudestruktur wird jeder Wohnung ein individueller, gedeckter Balkon auf die Rheinseite hinaus ermöglicht. Je nach Lust und Laune - und Wetterbedingungen - können zusätzlich die gemeinschaftlichen Terrassen auf den jeweiligen Dachgeschossen genutzt werden.

 

Die einzelnen Wohnungen sind modular konzipiert, analoge Küchen, Nasszellen, die Individualisierung erfolgt durch die Ausprägung der speziellen Lage innerhalb der Gemeinschaft: Jede Wohnung wird über einen Vorbereich betreten. An diesen Vorbereich angrenzend sind ein Abstellraum, sowie die behindertengerechte Nasszelle erschlossen. Küche / Essen und Wohnen fliessen ineinander über. Die Küche und ein Essplatz für 2 - 4 Personen werden als hölzerne Stube in den Wohnraum gestellt. Die Küche ist offen, kann aber nicht komplett eingesehen werden. Man wohnt nicht in der Küche, gleichzeitig ermöglicht dieses Raum im Raum Konzept eine intime Massstäblichkeit, eine wohltuende Zonierung des Wohnbereichs. Die Geometrie der Schlafzimmer ist so gewählt, dass verschiedene Bettstellungen möglich sind.  

 

Dem Konzept der Schichtung folgend werden die Fenster als Bandfenster mit Panoramablick ausgebildet. Wo Einsichtsprobleme entstehen könnten und zugunsten einer besseren Möblierbarkeit werden einzelne Fenster hochliegend ausgebildet. Damit ermöglicht man jeder Wohnung die individuelle Wahl der gerade gewünschten Intimität. Mittels sekundären Massnahmen wie Jalousien, Vorhängen kann der Charakter der Wohnungen individuell, den eigenen Bedürfnissen entsprechend angepasst werden, ohne dass diese bei einem Bewohnerwechsel zwangshaft übernommen werden muss. Jeder nach seinem Gusto.

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