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REORGANISATION WEINKELLEREI

Liegenschaft Seestrasse, Zürich-Wollishofen

2019

Bauherr

Privat

 

Architekt

Frei & Ehrensperger Architekten, Zürich

Bauleitung: Lisa Ehrensperger

 

Planung und Fertigstellung

2018 - 2019

Fotos

Lisa Ehrensperger

Das kleine Gebäudeensemble an der Seestrasse besteht aus dem 1835 erbauten und bereits im späten 19. Jahrhundert erweiterten Wohnhaus, der ehemaligen Remise und einem Waschhaus. Zusammen mit dem Garten und seinem alten Baumbestand ist es ein wichtiger ortsbaulicher Baustein entlang der Seestrasse. Das Wohnhaus reiht sich als prägnanter Bauzeuge seiner Zeit in die Abfolge von repräsentativen Wohnbauten ein, die ursprünglich alle ausserhalb der Stadt lagen.

 

Eine prototypische Problematik im Umgang mit historischer Bausubstanz liegt darin, dass normierte Anforderungen und Nutzungsvorstellungen erfüllt werden sollen, ohne diese zu hinterfragen oder zu analysieren, welche Qualitäten und Möglichkeiten im Bestand vorhanden sind. Leider führt gerade diese Haltung häufig zu einem Verlust an identitätsstiftender Substanz und – leider noch häufiger – zu einem wenig zufriedenstellenden Kosten-Nutzen-Verhältnis. 

Die Reorganisation der Weinkellerei an der Seestrasse in Zürich-Wollishofen stellt in dieser Hinsicht einen absoluten Glücksfall dar.

 

Der beeindruckende Gewölbekeller, auf dem das Wohnhaus ruht, eignet sich mit seinem ausgeglichenen Raumklima bestens als Weinlager. Darüber hinaus bietet er einen stimmungsvollen Rahmen für Degustationen aller Art, aber auch kleine Konzerte, Lesungen oder ähnliche Veranstaltungen. Durch die Entrümpelung und den Rückbau alter Holzlattenverschläge kam die ganze Schönheit des Raumes mit seinem mächtigen Doppelgewölbe zum Vorschein. Die Eingriffe beschränkten sich im Wesentlichen auf die Bearbeitung der Oberflächen und auf den Einbau einer neuen, dimmbaren Beleuchtung, die den Raumeindruck unterstützt und die je nach gewünschter Atmosphäre eingestellt werden kann.

 

Als Schmuckstück entpuppte sich auch das ehemalige Waschhaus. Während Jahrzehnten kaum oder bestenfalls als Gerümpelkammer genutzt, war der bauliche Zustand schlecht. Über defekte Dachziegel drang Wasser in den Dachstock ein und führte zu nässender Fäulnis. Auch das Holz der Türen war teilweise faul, Sandsteinsockel und -gewände bröckelten an vielen Orten. Glücklicherweise sorgten die undichten Fenster und Türen für eine ständige Durchlüftung, sonst wären die Schäden an der Bausubstanz noch grösser gewesen. 

Trotz des leicht verwahrlosten Eindrucks, den das Waschhaus machte, war allen Beteiligten klar, dass es ein wichtiger Bestandteil des ganzen Gebäudeensembles darstellt und ganz wesentlich zum Charme des Zugangshofs beiträgt. Unbestritten war deshalb auch, dass seine äussere Erscheinung möglichst integral erhalten werden sollte. Und dies, obschon die Liegenschaft weder im Inventar der Denkmalpflege aufgeführt ist noch unter Schutz steht, ganz ohne äusseren Zwang also.

Sämtliche Arbeiten an der Gebäudehülle standen denn ganz im Zeichen der Reparatur, ersetzt wurden ausschliesslich die Fenster und Türen. Die Problematik der aufsteigenden Feuchtigkeit der zweischaligen Aussenwände – mit einer inneren Schale aus Backstein, die direkt ins Erdreich führt – wurde ganz bewusst akzeptiert. Der Aufwand für die Behebung wäre bei einem Gebäude von gerade einmal gut 30 m2 Grundrissfläche unverhältnismässig gross. Aus demselben Grund wurde auch auf den Einbau einer eigentlichen Heizung verzichtet, das Cheminée, das den ursprünglichen Ofen zur Erwärmung des Waschwasssers ersetzt, genügt, um den Raum auch während der kälteren Jahreszeit zu nutzen. Dabei ist darauf zu achten, dass bei grösserem Temperaturunterschied zwischen der Aussenluft und dem Gebäudeinneren gut gelüftet wird, um Feuchtigkeitsschäden an Putz und Farbe zu verhindern. Um die Wände möglichst atmen zu lassen, wurde zudem ein mineralischer Farbanstrich gewählt. Mit dem Einbau einer Teeküche hat das ehemalige Waschhaus seine neue Bestimmung als ideale räumliche Erweiterung der Weinkellerei gefunden. 

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