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sylt im winter

Sylt, Deutschland

2018

Fotos

Lisa Ehrensperger, Roland Frei

Ich habe meine Augen in Unglück gewaschen und nun einen schärferen Blick.

Der Mond ist ein leuchtendes, schwebendes Grab.

04.03.2018

Aus dem Reisetagebuch

Der Mensch ist ein Strandläufer am Meer der Ewigkeit

15.00 Uhr, das Meer ruft, Zeit für einen langen Strandspaziergang. Milchig verwunschenes Wetter, dunkle Wolken, sandiges Meer, der Schnee von gestern ist beinahe weg, tiefes Geläuf, moderater Wind. Der Kulissenschieber hat auf Befehl der göttlichen Regie ein neues Stück aufgelegt. Heute bedrängt das Meer die Dünen, Hochwasser. Die vom Meer vergessenen Hinterwasser von vorgestern sind verschwunden, das Meer, oder ist es das Land, zeigt eine angriffige Kante. An der Wasserkante haben sich letzte Reste von Eis gehalten, widersetzen sich der Erosion, die sonst auf dem Sand weich auslaufende, sich von Welle zu Welle tagtäglich verändernder Grenze, ist durch eine bizarre statische Canyonlandschaft en Miniature ersetzt worden. Gefrorene Eisplatten markieren eine 50 cm hohe Kante, gefrässige Wellen, die dagegen ankämpfen, sich ihr Land zurückholen wollen, stossen auf unerwarteten Widerstand. Es ist die Zeit aufgeregter Sandlinge, die über den Sand rennen, Ausschau nach etwas Fressbarem halten. Einer will mich narren, hüpft unbeholfen, einfüssig, mein Mitleid erregend an mir vorbei, nur um im nächsten Augenblick frech lachend sein zweites Bein auszufahern und davon zu rennen. Salut! Grosse schwarze Raben sitzen zusammengekauert im Sand, nagen an toten Vögeln. Fressen und gefressen werden. Wir sind allein, haben den endlos lang scheinenden Strand von Sylt für uns exclusive. Wunderbar. Muscheln und Steine, es soll an diesem Abschnitt auch Bernstein geben, wandern in unsere Taschen. Der Jagdtrieb ist wieder erwacht, aber nicht alles was glänzt ist tatsächlich Bernstein. Ein kleiner Dackel sammelt Holz, das Schwemmholz, welches er stolz in seine Schnauze geklemmt hat, ist beinahe doppelt so gross wie er selbst. Aufschneider. Nach gut 1.5 Stunden sind wir auf der Höhe der legendären Sansibar und kehren um. Just in diesem Moment reist die Wolkendecke auf, die Sonne gibt eine kurze Audienz. Die Farbpalette wird neu gemischt, das Tafelsilber aus der Kommode geholt. Denn nicht nur die Lichtstimmung hat gewechselt, mittlerweilen ist auch das Meer wieder auf dem Rückzug, hinterlässt wiederum verspielte Hinterwasser, welche von der Sonne animiert, silbernen Tau in den Sand zaubern. El Dorado! Am Horizont fahren bereits wieder dunkle Wolken auf, vom Wind aufgewirbelter Sand braust über die Dünenlandschaft, als wolle er sie reinigen.

 

Schwarze Gesellen in eisigem Wasser

anrennende Wellen, sandiger Mund

der Lauf des Sandlings

verliert sich in der Ewigkeit des Seins

 

Die Holzbuhnen stehen noch frei, jetzt sind ihre jahrhunderten alten Gesichter in der Maserung des Holzes zu sehen. Charaktervolle Geschichtenerzähler. - Klamme Hände, steifer Körper, seeliges Träumen, in die Sauna, aufwärmen.

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