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schulhaus adetswil

Projektstudie im selektiven Verfahren

Ergänzung Schulhaus Heilpädagogisches Institut St. Michael,

Adetswil

Bauherr

Vereinigung Heilpädagogisches Institut St. Michael, Adetswil

 

Architekt

Frei & Ehrensperger Architekten, Zürich

Mitarbeit: Megumi Komura, Oanh Tran

Wettbewerb

2018

N

Ein Haus ist ein Haus

Wir bauen kein Haus in den Hang, sondern ein Haus vor den Hang. Ein Haus ist ein Haus und soll umgangen werden können. Da die Topografie es ohnehin erfordert, den Hang abzugraben, um bauen zu können, versuchen wir aus dem scheinbaren Nachteil einen Vorteil zu machen. Die für den Bau des Erweiterungsbaues notwendige Hangsicherung der Baugrube wird als sorgfältig gestaltete, begrünte 'Hangmauer' ausgeführt, generiert davor einen ebenen Platz auf Pausenplatzniveau, auf welchem das neue Haus zu stehen kommt. Das Haus steht frei, kann umgangen werden. So wird das Potential geschaffen, keine dunklen, erdseitigen Räume in Kauf nehmen zu müssen, vielmehr entsteht hang- und talseits eine Gleichwertigkeit, die es ermöglicht, sämtliche Räume, auch die hangseitigen, mit natürlichem Tageslicht anbieten zu können.

Uns scheint eine unterirdische Verbindung für das zur Verfügung stehende Budget zu kostspielig und ausserdem wenig attraktiv. Der Erweiterungsbau und die bestehende Schule sind deshalb nicht miteinander verbunden, aber räumlich aufeinander bezogen. So schliesst der neue Pausen-, Eingangsbereich den bestehenden Pausenplatz hangseitig ab und ergänzt diesen mit einem gedeckten Hallenbereich. Der Pausenplatz wird räumlich stärker definiert, die Parkierung wird ausgelagert. Die neue Pausenhalle kommt anstelle der Parkplätze vor die bestehende Terrassenkonstruktion zu liegen, diese Stahlkonstruktion soll, während des Bauens abgebaut und später wieder aufgebaut, wieder verwendet werden. Auf diese Weise kann der Erweiterungsbau massstäblich in die Gesamtsituation eingepasst werden. Alt und Neu verschmelzen zu einem neuen Ganzen.

'Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile.'

Grundrissfindung Gebäudeform

Die Geometrie des Gebäudes wirkt auf den ersten Eindruck möglicherweise zufällig, beliebig, ergibt sich jedoch aus einer präzisen Analyse des Ortes und der Gegebenheiten. Die notwendige Abgrabung, der Verlauf der Hangmauer orientiert sich an den Höhenlinien, der Hangneigung, die Hangmauer soll möglichst niedrig bleiben (ca. 3 - 4.5 m), gleichzeitig genügend Fläche generieren, dass der Erweiterungsbau auf der davor liegenden Fläche Platz hat. Die Gebäudeform ihrerseits reagiert im Dialog mit der Geometrie der Hangmauer, so dass einerseits gut proportionierte Aussenräume dazwischen, im Hofbereich entstehen, das Haus umgangen werden kann.

An den beiden Enden des Erweiterungsbaues soll individuell auf die jeweilige Lagequalität reagiert werden. Einerseits auf die spektakuläre Aussicht, die Weite, andererseits die Verschmelzung mit der bestehenden Anlage der bereits existierenden Sonnenterasse vor dem Pool, dem visuellen Kontakt mit dem Hauptgebäude.

Die Eingriffe im Bereich vor dem Pool greifen zwar etwas über den Perimeter des Gestaltungsplanes hinaus, sind aber lediglich eine Uminterpretation der bestehenden Mauer, kein Gebäudeteil ragt in diesen Bereich und verstösst deshalb nicht gegen den Gestaltungsplan.

Nutzungsflexibilität / atmosphärisches Potential

Die Struktur des Gebäude ist so gewählt, dass eine möglichst flexible Nutzung möglich sein wird. Die von uns angedachte Raumdisposition kann von den Benutzern ausgetauscht werden. Im mäandrierenden Gebaudekörper zonieren zwei tragende Nebenraumschichten eine hangseitige und eine talseitige Raumschicht. Die talseitige Raumschicht soll als Erschliessungsbereich genutzt werden, da die Nähe zur bestehenden Turnhalle einengend wirkt. In beiden Raumschichten sind keine tragenden Wände mehr notwendig, da die Decken über tragende Stützen in der Fassadenebene gehalten werden, so dass eine grosse Flexibilität der Nutzungsmöglichkeiten zu erwarten ist. So können die beiden Horte im Dachgeschoss zu einem grossen Singsaal zusammen geschlossen werden, Hort und Küche können zu einem grosszügigen Essraum verbunden, die Therapieräume können unterschiedlich gross sein oder für andere Nutzungen genutzt werden. Der Stützenabstand an den Fassaden kann gross sein, da die Stützen mittels tragenden Unterzügen miteinander verbunden sind.

Das gewählte Konzept ermöglicht Räume mit unterschiedlichen Lichtstimmungen, unterschiedlichen emotionalen Charakteren: das Haus ist ein Musikinstrument, das gespielt werden will.

Im Erdgeschoss auf einen eher introvertierten Hofbereich hinaus. Diese Räume können in den Hof hinaus erweitert werden. Arbeiten im Freien ist möglich, ohne ausgestellt zu sein. Die Atmosphäre ist konzentriert, das einfallende Licht wird nicht grell sein, es gibt keine Ablenkung durch eine spektakuläre Aussicht. Eine ideale Stimmung für die gewünschten Werkräume. Eine konzentrierte Arbeit im Gebäude als auch im Freien ist möglich. Die geschosshohe Verglasung kann mittels sekundärer Massnahmen (Vorhänge, Jalousien etc) geschlossen werden, die Stimmung kann individuell notwendigen Bedürfnissen angepasst werden. Der Werkräume neben dem Eingang kann ein „Schaufenster“ gegen den Eingangsbereich haben und bei Bedarf dorthin visuell geöffnet, bei Bedarf aber auch geschlossen werden.

Im Obergeschoss mit Blick in den Hang, in die Bäume und einem direkten Zugang auf die bestehende Spielwiese. Unserer Meinung nach eignet sich diese Atmosphäre / Lage für die Unterbringung der Therapieräume, des Klassenzimmers, sowie des Lehrerbereiches. Die Lehrer haben einen guten Überblick sowohl auf den Pausenplatz, als auch auf die Spielwiese, können die neue Terrasse über dem gedeckten Pausenbereich nutzen. Die Therapieräume können von der Nähe des Zuganges auf die bestehende Spielwiese profitieren. Diese Räume werden introvertierter sein.

Im Dachgeschoss sind Räume mit einem spektakulären Ausblick in den Wald aber auch in die Weite zu erwarten. Aus diesem Grund sehen wir in diesem Geschoss die Horträume, die Küche, den Essbereich. Die Räume können auf grösszügige, überdeckte Aussenterrassen mit dem spektakulären Blick in die Landschaft erweitert werden.

Die Atmosphäre des Hofes

Zwischen dem Erweiterungsbau und der neuen Hangmauer spannt sich ein unterschiedlich breiter Hofraum auf. (ca 4 - 5 Meter breit) Die emotionale Atmosphäre dieses Raumes wird stark von der Gestaltung der Hangmauer abhängig sein. Es soll das Gefühl des Geborgenseins, nicht des Gefangenseins kreiert werden. Für die Gestaltung dieser „Wand“ sind verschiedene Szenarien denk-bar: eine begrünte Mooswand,  eine steinige Felswand, ein Steingarten. Am nahe liegensten scheint es uns die bestehenden Steinkörbe zu verwenden und diese wie vor dem jetzigen Parkplatz intensiv zu begrünen ( Wilde Reben, Knöterich etc). Der Charakter soll aus der gewählten Konstruktion heraus entwickelt werden, welche wiederum budgetabhängig sein wird. Der Charakter der auf diesen Aussenraum geöffneten Räume wird introvertierten meditativen Charakter haben. Räume ohne grosse äussere Ablenkung (ausser dem Wechsel der Jahreszeiten), aber mit einem grossen Nutzungs-potential, den dieser Aussenraum ist geschützt.

 

Architektonischer Ausdruck des Erweiterungsbaues

Das Haus ist ein Haus. Es sieht auch aus wie ein Haus. Es ist ein Erweiterungsbau, kein Haupthaus und soll deshalb nicht in einer visuellen Konkurrenz zum Haupthaus stehen. Das gewählte Bild erinnert an Häuser aus dem ländlichen Kontext, an grosse einfache Oekonomiegebäude. Ein hölzernes Haus mit einem auskragenden Satteldach. Wir suchen einen Ausdruck der mithilft Identität zu schaffen.  Nicht die räumlichen Konstellationen müssen komplex sein, denn deren Zusammenspiel ist es. Es gibt so etwas wie die einfache Form des Komplexen. Einfach selbstverständlich, aber nicht banal. Erlebnisreich. Die Fassade gegen die bestehende Turnhalle wirkt weitestgehend „geschlossen“ Die Erschliessungszone soll vor der Verglasung mit senkrechten Holzlamellen vor Einblicken geschützt werden, das Licht dämmert in die Erschliessungszone, nur an einigen ausgewählten Orten werden die Lamellen werggelassen, ermöglichen grosszügige Fenster den Ausblick in die Landschaft. Hangseits ist die Befensterung seiner Nutzung entsprechend, bandartig geöffnet. Auf beiden Schmalseiten sind grosszügige gedeckte Terrassen in den Gebäudekörper eingelassen und nehmen diesem damit die Schwere. Über dem Gebäude liegt ein weit auskragendes Satteldach.

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