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LOTUSWEBEREI AUF DEM INLE SEE

Sankar, Inle See, Burma

2013

Fotos

Lisa Ehrensperger, Roland Frei

13.12.2013

aus dem Reisetagebuch

 

Flussfahrt nach Sankar

Der Fluss mäandriert frei, ist eigentlich kein Fluss, es gibt kein Flussbett, sondern eine Graslandschaft, welche unter Wasser steht. Gerade steht das Wasser hoch, weite Teile der Landschaft sind überflutet! Es gibt nicht eine, sondern viele mögliche Fahrrinnen durch die riesigen Felder von Wasserhyazinthen und Lotus. Hinter der Weite des Sees finden die Shan-Berge zusammen, der Flusslauf wird beidseitig von hohen Hügelzügen gesäumt, der Landschaftsraum wird enger. An den sanften Abhängen wird Landwirtschaft betrieben. Haupterwerb ist jedoch die Fischerei und - seit 1959 - auch die Lotusweberei. Wir besuchen eine solche Weberei bei Kyathingan, ausserhalb des Touristenstromes, wir sind ganz allein. In diesem Dorf hat vor über sechzig Jahren die Lotusweberei ihren Anfang genommen. Daw Kya U, eine damals fünfzigjährige Weberin, und Daw Sa U hatten angefangen, Pandonma (Lotus) Kaythingan Kleider zu weben. Zuerst vor allem für Mönche und als Opfer-gaben für Buddha. Der Mythos und Brama besagt, dass aus einem Lotusstengel fünf Buddhas erscheinen werden, also gibt es fünf Ordinationsrequisiten! Die Lotusblume und der daraus gefertigte Stoff ist dem Buddhisten deshalb besonders heilig, verheisst ein gutes Omen. Trotzdem ging diese alte Webtechnik nach dem Tod der Meisterin beinahe verloren! Mönche konnten sich diesen arbeitsaufwendi-gen Stoff nicht leisten und kauffreudige Touristen mieden während der Militärdiktatur das Land. Es waren zwei Familien des Dorfes Kyathingan, welche die Tradition in die neue Welt retteten. In diesem Hause befinden wir uns jetzt. In der Weberei arbei-ten vor allem ältere, distingierte Frauen, allesamt stolz und unnahbar, schweigend kauern sie hinter ihren Webstühlen oder spinnen ihr Garn. Eine meditative Stille durchwebt den hellen Raum. Hier wird gearbeitet, werden keine Touristen gefüttert, gibt es keine langhalsige Padaung Frauen zu fotografieren. 

Einen Showroom gibt es nicht und auch keine Show, aber in den hinteren Räumen einen einfachen Laden, wo man die Produkte kaufen kann. Die Besitzerin, eine ältere, hagere Frau, versucht, mit uns zu kommunizieren, spricht aber kein Englisch. Egal, wir finden was wir suchen. Ich auf Baseldeutsch, sie in Burmesisch. Mir gefal-len die Naturschals am besten. Das Lotusgewebe wird aber auch gefärbt, ausschliesslich mit natürlichen Produkten, wie der Holzrinde, dem wunderbaren Rotbraun der Möchsgewänder, Blumen oder Asche. Das Handeln überlassen wir wieder Aunty, die bis anhin seelig und scheinbar unbeteiligt an einem der Kaffee-bonbons gekaut hat. Die Besitzerin taut auf und zeigt uns Stoffe, die sie für Japaner gewoben hat. Stoffe für Jackets und Kimonos. Kimonos? Meine Augen weiten sich, mein Portemonnaie erschlankt merklich. Sharon kauft einen Mönchsschal, ob ihr das bewusst ist, und, obwohl sie meint, Fritz könne das nicht verstehen, wird er später anerkennend sagen: „Dieser Schal passt ausgezeichnet zu dir!“ Wir und unsere Vorurteile. Die alte Dame meint, wir sollten doch in Europa Reklame für sie machen und gibt mir ein Muster mit, wieso eigentlich nicht? Die Verabschiedung ist herzlich, das zahnlose Gesicht der alten Dame strahlt. Die Frauen an den Webstühlen haben ein kleines Geschenk in Form von Shampoo Fläschchen erhalten und lächeln ebenfalls. Hier lebt die wahre Geschichte der Lotusweberei fort! Danke, Aunty.

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