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schulhaus oelwiese thalwil

Das Lehmbauexperiment

 

Nicht alles was auf den ersten Eindruck einfach daher kommt ist auch tatsächlich einfach, sondern schlichtweg banal. Das Einfache, Reduzierte entsteht nicht durch das blosse Weglassen, Vereinfachen, sondern dieser Prozess ist mit dem Kochen vergleichbar. Beim Reduzieren verdampft zwar Wasser, fällt also weg, dadurch entsteht jedoch ein Konzentrat. Weniger, aber dichter. Paradoxerweise entsteht also ein weniger an Quantität aber ein mehr an Qualität. Dieser Prozess gilt auch bei der Architektur: Nur wenn durch das Weglassen eine Konzentration möglich wird, ist  Reduktion qualitativ bereichernd.

 

Die Erweiterung des Schulhauses Oelwiese beherbergt lediglich 4 Klassenzimmer und eine Bibliothek. Die Struktur kann deshalb auf ein Minimum reduziert werden und soll durch ein Maximum an haptischer Athmosphäre gefüllt werden. Welches soll das Ambiente für diesen Annexbau an eine Primarschule sein? Diese Fragestellung führt uns dazu, eine Schule in Lehmbau zu wagen. Ein traditionelles Baumaterial – ohne Baulobby. Einerseits zwingt uns der konstruktive Lehmbau dazu, allen unnötigen konstruktiven Firlefanz tatsächlich wegzulassen. Andererseits garantiert das Baumaterial Lehm die Rückbesinnung an haptische Erfahrung der eigenen Kindheit. Darüber hinaus bestünde die Möglichkeit, den gesellschaftlichen Anforderungen an nachhaltige Bauweisen in einem hohen Masse gerecht werden zu können.

Sämtliche Tragwände werden in massiver Lehmbauweise ausgeführt. Das Gefühl der sterilen abwaschbaren Schule weicht einer erdigen Geborgenheit. Der Grundriss gleicht einem indischen Mandala, welches sich im Uhrzeiger zu drehen scheint. Ein Zufall? Fast scheint es so, dass die Beschränkung auf das Baumaterial Lehm uns zwingt, uns an alte überlieferte kosmologische Diagramme zu erinnern. In der indischen Bautradition der 'shilpa shastras' werden allen Gebäuden solche 'cosmologische mandals' unterlegt. In Einheit mit dem grossen Ganzen? Das Experiment wird mit dem erfahrenen Lehmbauer Martin Rauch Höchst (A) und Dr. Lüchinger + Meyer als Bauingenieure entwickelt und durch das mangelnde Vorstellungsvermögen der Wettbewerbsjury nach erfolgter Überarbeitung infolge städtebaulicher Mängel (so die Kritik der Jury) beendet. 

Wettbewerb

Erweiterung Schulhaus Oelwiese, Thalwil

2002, 2. Preis

Bauherr

Gemeinde Thalwil

Baukosten: ca. 7-8 Mio. CHF

Gebäudeinhalt nach SIA Neubau: 4'500 m3

N

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