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Wohnheim Gütsch - IBK

Architektonischer Ausdruck

Das Gebäude der Institution Barbara Keller IBK ist ein Haus, in welchem Menschen mit einer geistigen oder psychischen Beeinträchtigung arbeiten und leben. Ein öffentlich zugängliches Kaffee soll den Kontakt mit der Wohnsiedlung und der Nachbarschaft herstellen. Welche atmosphärische Stimmung ist für ein Haus, in welchem die BewohnerInnen von sehr instabilen Gemütslagen getroffen werden können, adäquat? Braucht es ein lichtes Zelt oder eher eine intime Höhle? Muss man sich zurückziehen oder soll man andere Menschen treffen können? Anders gefragt: Wie ist das Verhältnis von Individualität und Gemeinschaft? Das Gebäude versucht, auf diese Fragen angemessene Antworten zu finden. Wir denken, das neue Haus sollte für seine BewohnerInnen und BenutzerInnen eine gewisse emotionale Stabilität bieten, Ruhe ausstrahlen. Deshalb schlagen wir - im Gegensatz zu den horizontal geschichteten Wohnbauten - für die IBK einen skulptural modellierten, steinigen Baukörper vor, der als geerdetes Gebäude, als ein Anker, den Eingang in die Siedlung markiert. Als Referenz dient uns eine Skulptur des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida.

 

Eduardo Chillida:

„Ich liebe das Saubere, das klar Geschnittene,

aber es muss auch nach den Seiten hin ausgreifen können,

es muss sich umwenden können und dadurch Distanz schaffen,

es muss Schweigen erzeugen oder Leere,

wie man will, damit die Form vibrieren kann.“

Der architektonische Ausdruck des Wohnheimes für die Institution Barbara Keller reflektiert den inneren Reichtum des Hauses. Es ist von innen heraus, aus der Leere, entwickelt und funktioniert als eine Art Instrument, das vom Licht bespielt wird. Die prägenden Randbedingungen, ein Haus mit sehr unterschiedlichen Nutzungen, engen Platzverhältnissen und komplizierten baurechtlichen Einschränkungen, lassen den skulpturalen Baukörper entstehen. Ein Baukörper, der mit der ihn umgebenden Landschaft kommuniziert, in einen Dialog tritt. Durch die Platzierung der verschiedenen Terrassen, der Ausbildung des Attikageschosses, der Befensterung, welche ausgewählte Ausblicke zulässt. Eine Verankerung in der Landschaft. Das Gebäude strahlt nicht nur aus, es will aus seiner inneren Logik heraus verstanden werden.

Bauherr

IBK Institution Barbara Keller

 

Architekt

Frei & Ehrensperger Architekten

Projektleitung: Roland Frei, Carmen Blättler

Mitarbeit: Oanh Tran

Kenndaten

Baukosten: 35 Mio. CHF

Umbauter Raum SIA: 35'545 m3 (SIA 416)

Nutzung

Wohnheim mit Werkstätte IBK

drei Wohngruppen mit total 24 Zimmern

Kafi Gütsch, Werkstatt, Ateliers, Administration, Grossküche, Wäscherei

Studienauftrag 

2013, 1.Preis

Planung und Fertigstellung

2013 - 2018

Fotos

​Chen Qing

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