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Wohnhaus für Behinderte Mainaustrasse

Die umliegenden Gebäude sind sehr nahe an die Grundstücksgrenze und teilweise sogar daran gebaut. Und gerade darin besteht der Reiz des Ortes. Die Gebäude bilden ein gewachsenes, räumliches Ensemble und sind nicht additiv an den Strassenraum geklebt.

 

Die Krux des gewünschten Wohnheimes für Behinderte Menschen scheint zu sein, dass sich dieser Neubau an die neuen Spielregeln einer heutigen Bauordnung halten muss. Die Abstände müssen nun plötzlich eingehalten werden. Das Ensemble droht ausser Balance zu geraten. Verstärkt wird diese Tendenz durch ein äusserst motiviertes Raumprogramm, welches den Ort zu sprengen droht. Unser Konzept versucht den gordischen Knoten des eigentlich zu kleinen Grundstückes (oder zu grossen Raumprogrammes) zu lösen, indem die öffentlichen Räume in einem Sockel und die drei Wohngeschosse in einem auf diesem Sockel stehenden Baukörper untergebracht werden. Dieser städtebauliche Ansatz – Aufteilung des Raumprogrammes in einem Geländesockel und ein als Gebäudekörper in Erscheinung tretendes Bauvolumen – ermöglicht eine angenehme Proportion der Gebäudedimensionen. Die Massstäblichkeit des Ortes kann auf diese Weise gewahrt werden.

 

​Es ist die Absicht, ein Haus zu schaffen, welches sich harmonisch in das Quartier einpasst und durch einen klaren einfachen Aufbau eine optimale Identifikation gewährleistet.

 

 Der öffentliche Sockel (Administration, Essaal, Mehrzweckräume, Werkstätten etc.) nimmt den gesamten bebaubaren Teil der Parzelle (Strassenbaulinie bis Grundstücksgrenze) ein und ist 50 cm erhöht. Er wird über vier unterschiedlich grosse Höfe belichtet und belüftet. Ein topografischer Eingriff für die öffentlichen Nutzungen. Das eigentliche Wohnhaus steht als dreigeschossiges Gebäude an der Baulinie Mainaustrasse an der Kante des Sockels. Auf der Seite des Gartens ragt der Sockel unter dem Gebäude hervor und wird zur begehbaren Aussenfläche. Zum begehbaren Deck.

 

 Die Erschliessung erfolgt vom zentralen Eingangsfoyer an der Mainaustrasse, von welchem aus das grosszügige Foyer im Sockelgeschoss bereits erlebbar ist. Die räumliche Organisation ist so gewählt, dass vielfältige Ein- und Ausblicke in die vier Innenhöfe möglich sind. Je nach Tages- und Jahreszeit wird sich die Lichtstimmung in diesem Geschoss stark verändern. Die Höfe wirken als Sonnenuhren und geben diesem Geschoss eine unverwechselbare Identität. Sämtliche Nutzungen haben Zugang zu einem der Innenhöfe, so dass sich die entsprechende Tätigkeit in einen geschützten Aussenraum erweitern lässt.

Projektwettbewerb 2007, 2. Preis

Bauherr

Verein Wohnheime im Seefeld

Frei & Ehrensperger Architekten

Mitarbeit: