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Umbau Dachwohnung Seefeld

Text Christoph Schläppi (gekürzt)

Das Eckhaus einer historistischen Randbebauung im Zürcher Seefeldquartier besitzt ein mit Lukarnen und Dachflächenfenstern besetztes Mansardendach, das wenig höher als eines der vier Vollgeschosse ist. Für einen zweigeschossigen Ausbau war somit mit engen Verhältnissen zu rechnen. Das Gebäude ist nicht geschützt, aber die Auflage der Denkmalpflege, gemäss den Bestimmungen der Quartiererhaltungszone das Äussere nicht zu verändern, machte die Aufgabe nicht leichter. Dennoch gab es gute Gründe, hier einen aufwendigen Um- und Ausbau zu wagen: Natürlich der privilegierte Standort im Seefeld. Dann der Hof mit seiner seeseitig aufgebrochenen Randbebauung, einem Hofhaus, einem Holzlager und schönen Bäumen — er ist nach einem Jahrhundert gelebter Nutzung mit einer schwer zu beschreibenden Wohnlichkeit aufgeladen. Schliesslich ein zauberhafter Ausblick auf den See vor der Kulisse des Üetlibergs, der zu entdecken und zugänglich zu machen war. Die in hoher Qualität ausgeführten Handwerkerarbeiten, die entwerferisch mit Gelassenheit und Beharrlichkeit durchdekliniert sind, erzeugen eine gepflegte Grundstimmung. Küche und Bäder wurden auf Wunsch der Bauherrschaft von renommierten internationalen Produzenten bezogen. Ein wichtiger Teil der architektonischen Arbeit war es, den gestalterischen Zusammenhang des vielfältigen Ganzen herzustellen. Dies geschah hauptsächlich mit Schreinerdetails und Farben.

 

Raum und Licht. Dem Wunsch der Bauherrschaft nach viel natürlichem Licht standen die Schutzauflagen für das Dach entgegen. Der hofseitige, als Dachterrasse genutzte Dacheinschnitt (die «Loggia») und das im Bereich der internen Treppe ins OG ausgeschnittene Atrium (der «Gartenhof») bringen nebst ihrer Funktion vor allem auch Licht in den zentralen Bereich der Wohnung. Mit der internen Treppe sind diese beiden Ausschnitte zu einer eigentlichen Raumskulptur verknüpft. Oblichter über Treppe und Bad ergänzen die Dachflächenfenster. Ein Teil des Zenitallichtes fällt durch eine Spiegelwand auch in den Gymnastikraum. Während sich das Tageslicht im Hauptgeschoss an den Seitenwänden der Mansarden streut, optimieren im Schlafgeschoss die ausgeschrägten Gewände der Dachflächenfenster die Lichtausbeute. Mit den in satten Farben gehaltenen Wänden, weissen Decken und dunklen Riemenböden herrscht im Wohngeschoss eine Lichtstimmung, deren überraschende Heiterkeit wohl auch dem Umstand geschuldet ist, dass man sich weit oben befindet. Der private Charakter des darüber liegenden Schlafgeschosses wird von den daselbst verwendeten Pastellfarben suggestiv gesteigert. Von der ursprünglichen, verhältnismässig rigiden kleinteiligen Zellenstruktur des alten Grundrisses blieb vor allem die ostseitige Korridorwand und die zugehörige Zimmerfolge erhalten. Dieser Abschnitt bietet gegenüber dem westseitigen Essbereich und dem Wohnbereich am nördlichen Kopf einen Art Rückzugsbereich besonders für abendliche und winterliche Tätigkeiten. 

Die Wohnung bietet eine stupende Vielfalt von Atmosphären, deren Abfolge besondere narrative Qualität entfaltet. Dieses Narrativ steigert sich bis zum Schlafbereich der Eltern, der mit corbusianisch inspiriertem Bad und Dampfbad oder mit dem Cheminée im Schlafzimmer von den Lustbarkeiten des Privatisierens erzählt. Wenn der Wohnungseingang auf das Treppenpodest hinunter verlegt ist (per Lift ist das Wohngeschoss auch direkt zugänglich), wird damit das Raumgefüge der dreidimensional verschlungenen Wege und Beziehungen librettohaft antizipiert. Die Unmittelbarkeit, mit der der Bereich von Essraum, Loggia und Küche dem Eingang folgt, erinnert überraschenderweise an die Organisation vernakulärer Bauernhäuser, sodass selbst die Marchi-Küche im Landhaussstil keiner weiteren Rechtfertigung bedarf. Im zurückgezogeneren Wohnteil sind die Zimmerzellen mit einer Enfilade verbunden, was dem kleinteiligen Bereich gleichzeitig Noblesse, Übersichtlichkeit und Wohnlichkeit verschafft. Die Treppe zum Schlafgeschoss hinauf bildet eine Art Schleuse, die wohl das Licht von oben herunter dringen lässt, nach oben hingegen den Durchblick verwehrt. Gleichsam als Antithese zur Klarheit des Wohngeschosses bietet das Schlafgeschoss ein verspieltes System von Ein- und Durchblicken bis hin zum halbtransparenten Spiegel des Gymnastikraums und zum Dachfenster auf der offenen Terrasse. Die narrative Struktur findet auf der Dachterrasse, von der aus eine eindrückliche Rundsicht über die Dächer von Zürich herrscht, Höhepunkt und Ende, gleichsam ihren dritten Akt.

Bauherr

Privat

 

Architekt

Frei & Ehrensperger Architekten

 

Bauleitung

Frei & Ehrensperger Architekten

Projektleitung: Lisa Ehrensperger

 

Kenndaten

Geschossfläche: 390 m2

Dachterrasse: 110 m2

Umbauter Raum SIA: 1’135 m3 (SIA 416)

Baukosten: Privat

Nutzung: Private Maisonette-Wohnung

mit Dachterrasse

 

Planung und Fertigstellung

2011 - 2014

Fotos

Chen Qing

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